Anrufen E-Mail senden
Top
 

Bewusste Körperarbeit

Wie Hula Hoop mir zu mehr Körperbewusstein verhalf
Die größte Heilung erfuhr ich durch das Tanzen. Als ich diese bunten Reifen vor 4 Jahren das erste Mal in der Hand hatte, wusste ich noch nicht, welch eine Rolle sie in meinem Leben spielen werden.

Nach den ganzen Diskussionen über die IDM und ihrer neuen Werbestategie mit dem „Bikinibody“, nach dem Leitartikel im neuen Zebra über Körperliebe und vor allem nach meiner wundervollen Erfahrung im Women Circle beim Alpine Hoop Retreat 2018, ist es für mich an der Zeit meine Erfahrung und Geschichte mit #bodyshaming aufzuschreiben.

Wenn man seit dem ersten Atemzug in dieser Welt noch niemals den „Vorgaben“ einer Kurve entsprochen hat, ist es nicht einfach sich irgendwann mit seinem Körper abzufinden. Seit Kindestagen an wurden die Punkte zu Gewicht und Größe in meinem Kinderkrankenbuch immer im untersten Bereich dieser tollen Zeichnung gesetzt. Ja, mein BMI hat es geschafft, dass ihn heute noch eine Ernährungsberaterin dreimal nachrechnet, da sie den niederen Wert nicht glauben kann.
Nach all den ärztlichen Untersuchungen, die ich über mich ergehen lassen musste, bin ich aber gesund. 10 Kilo zu wenig, einen zu guten Stoffwechsel, aber gesund.
Ja, bodyshaming, die Diskriminierung und Beleidigung von Menschen aufgrund ihres Körpers gibt es auch in die andere Richtung.
Die Schulzeit möchte ich nicht mehr zurückdrehen. „Skelett“, „do gibs jo nix unzugreifen“ und „Brett“ sind nur einige der Sprüche, die ich immer wieder hörte. Heute noch ist oft das erste das meine Freunde und Bekannte über mich gefragt werden, ob ich denn magersüchtig sei.
Immer wieder auf den eigenen Körper reduziert zu werden tut weh. Der eigene Körper wird wie zu einem Feind. Manchmal hab ich mir wirklich gedacht: was wäre wenn ich mich einfach in Luft auflösen würde?
Ich hatte große Probleme ins Schwimmbad zu gehen, kam überhaupt nicht damit klar, dass mich andere Leute anschauten. Es entstand eine große Unzufriedenheit mit meinen dünnen Beinen, meinen Brüsten und viel zu dünnen Armen. Das Selbstbewusstsein und die Liebe zu meinem Körper, die ich heute habe, kamen nicht von heute auf morgen.
Die größte Heilung erfuhr ich durch das Tanzen. Als ich diese bunten Reifen vor 4 Jahren das erste Mal in der Hand hatte, wusste ich noch nicht, welch eine Rolle sie in meinem Leben spielen werden.
Ich erinnere mich gerne an meine erste Hoop Convention zurück, als ich zum ersten Mal andere Hooper im echten Leben sah. Wie unterschiedlich wir doch alle waren! Und welch große Gemeinschaften und Kreise wir bildeten. Dort fühlte ich mich akzeptiert und respektiert.
Durch das Hoopen lernte ich meinen Körper neu kennen. Ich spürte plötzlich Muskeln, die ich nicht mal kannte. Ich spürte meine blauen Flecken, wenn ich nicht aufhören könnte shoulder hooping zu üben. Das Tanzen gab mir ein neues Körperbewusstsein. Die Hoop Community gab mir Vertrauen und Stärke. Und ich begann eine große Dankbarkeit zu spüren. Dankbarkeit meinem Körper gegenüber. Dankbarkeit gegenüber meinen Beinen, die mich überall hingebracht haben. Auf die wundeschönen Strände der Lofoten in Norwegen, durch die Highlands von Schottland, durch die Souks in Marokko, zu den schönsten Bergseen in Südtirol und und und.
Ich kann mit ihnen alles machen, was ich mir nur wünschen kann. Springen, laufen, kriechen, wandern, tanzen, hulahoopen…

Lieber Körper, du warst nie ein Problem. Du bist perfekt, genau so wie du bist. Mit deiner Größe, den Narben auf deiner Seele, all den Kleidern in die du einfach nicht passt, weil sie zu groß sind. Es ist ok. Ich habe aufgehört auf die Leute um mich herum zu hören. Immer wenn jemand sagt, „na mogsch schun awien mehr essn, iss amol a poor Knedl“…. Entgegne ich mittlerweile „gerne, konsch mi gern zum essen einloden“.
Dear body, slowly I’m learning to love you…

Wir Frauen sind mit unserem Schmerz nicht alleine. Das habe ich vor kurzem beim Women Circle erfahren. Hier ein großes Danke an Amayah für diese wundervolle Erfahrung. Empowerment hilft. Wir sind alle so wunderschöne Wesen und müssen aufhören uns gegenseitig nieder zu machen. Wenn wir uns selbst annehmen, respektieren und lieben, erkennen wir, dass unser Gegenüber eine Reflexion von uns selbst ist. Wir sind alle gleich und verbunden. Erst dann beginnen wir auch die Person gegenüber von uns zu lieben.

Jeder von uns ist in seinem Wesen und seinem Körper wunderschön. Wir sollten jegliches bodyshaming stoppen: dick, dünn, fest, mager, groß, klein…
Wir wollen nicht auf unseren Körper reduziert werden, wir sind viel mehr als unser Körper.
Wir sind selbstbewusst, voller Energie, gestärkt, wichtig und wir selbst.
Und zusammen bauen wir all den Schmerz ab, den wir erlitten haben.
beYOUtiful

evelyn, Juli 2018

evelyn

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.